Ausgabe 6

Social Media Verbot?!

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Die Diskussion zum Social-Media-Verbot ist sehr aktuell. Zu diesem Thema habe ich ein Online-Interview mit Professorin Dr. Keil von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg im Fachbereich für Ingenieurwissenschaften und Kommunikation geführt.

Redaktion: „Was ist der Gedanke hinter einem solchen Social-Media-Verbot?“

Prof. Dr. Keil: „Eltern, Lehrer*innen und andere Erziehungspersonen haben den Eindruck, dass die Social-Media-Nutzung Kinder und Jugendliche weder glücklicher noch selbstbewusster, entspannter oder gesünder macht. Ganz im Gegenteil: Auch Studien zeigen, dass junge Heranwachsende oft einsamer, psychisch belasteter und körperlich unfitter sind.“

Redaktion: „Warum wäre ein Social-Media-Verbot sinnvoll?“

Prof. Dr. Keil: „Die genannten Probleme treten auch bei jungen Erwachsenen auf, aber es wird davon ausgegangen, dass erst mit etwa 18 bis 20 Jahren die Fähigkeit zur Selbstregulation ausgereift ist. Erst dann ist das Gehirn so weit, dass ein junger Mensch nicht mehr rein impulsgesteuert und nach dem Lustprinzip handelt. Das Ziel eines Social-Media-Verbots ist es also, dass Jugendliche erst dann mit den schnell süchtig machenden Algorithmen umgehen, wenn sie besser dazu in der Lage sind.“

Redaktion: „Warum kann Social Media so viele negative Einflüsse haben, wenn es doch nur zum Entertainment dienen soll?“

Prof. Dr. Keil: „Entertainment ist nicht das Ziel der Verantwortlichen hinter den Plattformen. Facebook, X (ehemals Twitter), Instagram oder TikTok basieren auf Geschäftsmodellen, die darauf abzielen, Nutzendendaten zu erfassen und zu vermarkten. Ihr Ziel ist es auch, möglichst viel Aufmerksamkeit zu binden und so personalisierte Werbung zu verkaufen. Und dies gelingt eben besser, wenn die Algorithmen Inhalte priorisieren, die affektive und emotionale Reaktionen hervorrufen, polarisieren oder Empörung erzeugen.“

Redaktion: „Social Media dient mittlerweile als eine der Hauptinformationsquellen für Kinder und Jugendliche. Welche Alternativen gibt es?“

Prof. Dr. Keil: „Jedes journalistische Medium hat einen Webauftritt, auf dem ein gewisser Teil an Informationen kostenfrei zur Verfügung gestellt wird. Die Angebote des öffentlich-rechtlichen Rundfunks werden durch die Gebühren der Eltern bezahlt und stehen den Jugendlichen ebenfalls zur Verfügung. Und all diese Medien mit seriös recherchierten Informationen bemühen sich sehr, den Interessen von Jugendlichen entgegenzukommen. Mit dem Content-Netzwerk Funk werden immer wieder neue Informations- und Unterhaltungsformate für Jugendliche ausprobiert.“

Redaktion: „Wie kann Social Media dennoch sinnvoll genutzt werden?“

Prof. Dr. Keil: „Zum einen können bei den klassischen Anbietern wie TikTok, Instagram oder YouTube Einstellungen für den Schutz der eigenen Daten vorgenommen werden. Am Handy kann die Nutzungszeit für das Scrollen auf einer Plattform begrenzt werden. Dann gibt es viele Social-Media-Netzwerke, hinter denen Communities stehen, deren Ziel nicht die Gewinnmaximierung ist, wie Bluesky, Mastodon, PeerTube oder BeReal, die einfach nur bekannter werden müssen.“

Redaktion: „Wird es zusätzlich mehr Regeln und Einschränkungen für Social-Media-Plattformen geben?“

Prof. Dr. Keil: „Ich denke schon, dass Regelungen wie der Digital Services Act und weitere, die dazukommen werden, ein Social-Media-Verbot flankieren sollten. Mit dem KI-generierten Content auf den Plattformen haben sich die Probleme mit Identitätsdiebstahl und gefälschten Pornos noch einmal verschärft. Aber ebenso wichtig ist wohl erst einmal die Umsetzung und Kontrolle der bestehenden EU-Regelungen. Aktuell plant die EU ja eine App zur Altersverifizierung, weil die Plattformen ihrer Verpflichtung, Kinder vor zum Beispiel gewaltverherrlichenden Inhalten zu schützen, bislang nur unzureichend nachkommen.“

Redaktion: „Soll es, im Fall, dass es zu einer Lösung kommt, diese für die gesamte EU gelten?“

Prof. Dr. Keil: „Aus meiner Sicht ja. Dann gestaltet sich die Umsetzung auch einfacher, weil man gemeinsam und mit mehr Durchsetzungskraft gegen die Nachlässigkeit der Plattformbetreiber bei der Altersfreigabe vorgehen könnte.“

Professorin Dr. Keil

Foto von Jonathan Schmidt

Prof. Dr. Keil ist Professorin für Journalistik und Prodekanin im Fachbereich der Inginieurwissenschaften und Kommunikation. Zudem hat sie eine Schwerpunktprofessur für soziale Nachhaltigkeit und Gender. Daher ist sie unsere perfekte Kandidatin für dieses online Interview! Vielen Dank,dass sie sich die Zeit genommen haben!

Von Clara Debrus