Hilfe – ich bin in Berlin!

Plötzlich Presse-Profi?

Hey Leute, ich bin’s Maria, Redakteurin bei hermannDIGITAL 🙂

Normalerweise kennt ihr meine Berichte etwas objektiver und ernster, aber heute möchte ich euch Mal ganz persönlich auf einen für mich überaus aufregenden Tag mitnehmen 🙂 Am Freitag, den 18.11., machte ich mich auf den Weg nach Berlin um im Rahmen einer Pressekonferenz des Jugendmedienzentrums, die Ministerin für Bildung und Forschung Bettina Stark-Watzinger zu interviewen. Das schreibe ich jetzt im Nachhinein so locker flockig, aber ihr könnt euch sicher sein, dass ich total aufgeregt war. Schließlich mache ich das hier noch gar nicht so lange, würde ich überhaupt mit den anderen 49 Jugendjournalist:innen mithalten können?

4 Uhr morgens!!!!! (statt 6 Uhr morgens)

Und dann lief auch noch so einiges schief. Wegen eines Auffahrunfalls auf den Bahngleisen in Richtung Berlin fielen extrem viele Züge aus und die, die fuhren, mussten eine sehr weite Umleitung fahren. Aus diesem Grund, ging meine Reise also etwas früher los. Ich würde ja eigentlich von mir behaupten ich sei ein Morgenmensch, aber um die Uhrzeit meine Augen offenzuhalten um meine Haltestelle in Hamm nicht zu verpassen war dann doch etwas schwer. Also war die erste Priorität während meiner Umsteigezeit: Kaffee!

12:40 Uhr

Endlich erreichte ich Berliner Boden. Hallelujah! Zwar eine gute Stunde zu spät, aber ich hatte zum Glück etwas Puffer-Zeit, da zuerst ein Besuch im Museum ‚Futurium‘ angesetzt war. Im Museum traf ich dann auch direkt auf eine weitere Gruppe von Nachzüglerinnen, die alle ungefähr dasselbe erlebt hatten wie ich. Das Schöne, wir konnten alle beim Lästern über die Deutsche Bahn bonden!

Das Futurium ist ein unglaublicher Ort, der den Fokus auf die Interaktion zwischen Ausstellung und Besucher:in richtet. Mittels eines Armbandes kann man hier an spezifischen Stationen Entscheidungen über Entwicklungen im Bereich Infrastruktur, Digitalisierung, Energiegewinnung, etc. treffen und dann am Ende mittels der ‚Zukunftsmaschine‘ seine eigene Zukunftsvision erkunden. Definitiv einen Besuch wert! Das einzig verstörende war dieser Wilkommensroboter am Eingang… Ihm war irgendwie nicht zu trauen, Leute.

14 Uhr

Danach machten wir uns alle zusammen auf zum Bundesministerium für Bildung und Forschung, das ganze 5 Minuten Fußweg entfernt war. Unglaubliche Distanz, ich weiß. Trotzdem dauerte es dann relativ lang ins Gebäude hineinzugelangen, da man sich zuvor ausweisen musste und dann auch noch durchsucht wurde. Dafür gab es sogar einen der Bodyscanner vom Flughafen, diese, in denen man immer diese komische Gorilla-Position einnehmen muss. Schließlich waren wir alle drin und es ging los. Eine Stunde lang durften wir die Ministerin alles fragen was wir wollten, also wenn wir es schafften drangenommen zu werden… was sich in einem Raum mit 49 anderen, politisch interessierten, aufgeweckten Jugendlichen durchaus schwierig gestaltete.

Die Pressekonferenz in a Nutshell:

Ist Deutschland bildungsmäßig hinterher?

Als einer der Journalisten von seinem aus China stammenden Mitschüler erzählte, welcher meinte, dass Siebtklässler hier dasselbe lernen würden wie Viertklässler im Land der Mitte, antwortete die Ministerin etwas gereizt: ,,Der Impfstoff wurde nicht in China gefunden, sondern in einem demokratischen Land“. Ob dies wirklich ein so schlagkräftiges Argument ist wenn man bedenkt, dass China und die zugehörigen Sonderverwaltungszonen drei der ersten vier Plätze in der letzten PISA Studie von 2019 belegten, während Deutschland auf Platz 20 relativ alt aussah bleibt wohl fragwürdig. Ja, Deutschland ist in Sachen Forschung ganz vorne dabei, doch das schmälert die Defizite bei einem Großteil der Schülerschaft nicht. Defizite, die sich im Zuge der Coronakrise bestimmt nicht verbessert haben.

Fun Fact: Obwohl Ugur Sahin und Özlem Türeci, die Gründer von BioNTech, durchaus Deutsche sind, haben die beiden dennoch einen direkten türkischen Hintergrund, der viel zu oft unter den Tisch fällt… Außerdem sind die beiden verhairatet, Wow! Ein echtes Forscher Power-Couple!

Die Ministerin zur Corona-Krise:

,,Die Schulschließungen waren ein riesiger Fehler“ Die Ministerin betont besonders die verheerenden psychischen Folgen des Lock-downs für Kinder und Jugendliche. 20% der Schüler:innen konnten ihr zufolge nicht mehr erreicht werden. Als ich allerdings nachfragte, warum denn dann nicht mehr Psycholog:innen und Sozialartbeiter:innen an Schulen geschickt werden würden, gerade jetzt wo es doch wieder eine Chance gäbe die Jugend zu erreichen, redete sich Frau Stark-Watzinger geschickt raus. Es gäbe nun Mal nicht genügend Leute in diesem Fachgebiet. Komisch, wo man doch uns bei der letzten StuBo Veranstaltung noch erzählt hat man hätte gar keine Chance Psychologie zu studieren ohne mindestens einen NC von 1,2… Das vielleicht eher die ungenügende Bezahlung für diese unglaublich wichtigen Berufe das Problem ist, davon war nicht Rede. Natürlich ist es generell immer gut Fehler zuzugeben, dennoch ist es deutlich einfacher, wenn es Fehler des Vorgängers sind. Wie das entstandene Problem gelöst werden soll, dazu hat die Ministerin wohl noch keine zündende Idee.

Herrscht Chancengleichheit in Deutschand?

Die Antwort darauf ist ein kurzes aber schmerzhaftes ,,Nein“. Eine Journalistin erzählte, dass in ihrem Bundesland das Fach Informatik gar nicht angeboten wird. Dies sei für ihren Bruder zu einem ernsthaften Problem geworden, als er in einer anderen Stadt studieren gegangen sei, da manche Unis Programmierkenntnisse voraussetzen. Aber auch in anderen Bereichen sind deutsche Schüler:innen sich mehr als ungleich. Sei es nun spezielle Förderung für Migrant:innen, die fehlt oder die unterschiedlichen Abitur-Standards in den Bundesländern. Denn tatsächlich ist es „einfacher“ sein Abitur in NRW zu bekommen als zum Beispiel in Bayern. Also theoretisch, denn die Förderung und Bildung in NRW ist auch nicht auf dem gleichen Niveau wie in reicheren Bundesländern, weshalb der Schulabschluss Schüler:innen hier nicht unbedingt leichter fällt. ,,Das darf so nicht sein […] Es ist nicht gerecht und es hilft auch nichts“, meint die Ministerin dazu. Ihr Schwerpunkt in punkto Chancengleichheit liegt aber eher in der Studienförderung und dem damit verbundenen Bundes­ausbildungs­förderungs­gesetz kurz BAföG. Bis jetzt ist BAföG eine Förderung für Schüler:innen, Azubis und Student:innen aus einkommensschwachen Familien, doch in den nächsten Jahren soll sich das Fördergeld immer weiter individualisieren und nicht mehr so stark vom Einkommen der Eltern abhängig sein.

16:30 Uhr

Danach hieß es für mich leider auch direkt wieder Abflug, da die Rückfahrt keinesfalls besser werden würde als die Anreise. Mit Lesen und ersten Notizen zum Tag vertrieb ich mir die Zeit und entdeckte beim Beobachten aus dem Fenster sogar die ersten Schneeflocken dieses Jahres! Auch wenn ich unglaublich spät erst nach Hause kam (wirklich sehr knapp noch am 18.) war dieser Tag für mich ein erster kurzer Einblick ins Jouralist:innen-Leben, der unglaublich interessant, aufregend und anstrengend war.

Und ob ich wirklich Presse-Profi werde? Wer weiß 😉 Ich werde euch auf jeden Fall auf dem Laufenden halten.

Na neugierig?

Willst du mehr über die Ministerin erfahren? Dann geht’s hier entlang! https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/bundeskanzleramt/bundeskabinett/bettina-stark-watzinger-1974178

Bilder und Text von Maria Nil Hauser

Bilder der Pressekonferenz von Hans-Joachim Rickel

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